Montag, 3. September 2012

Die sagenhafte Seite der Seiser Alm - Teil 1: Die Schlernhexen

Es ist bekannt, dass der lange Schlernrücken ein sehr beliebter Treffpunkt der Hexen ist, die von allen Seiten auf ihren Besen daher geritten kommen. Genau auf dem höchsten Punkt des Schlern, auf dem Petz, ziehen oft die schlimmsten Unwetter auf und es passiert nicht selten, dass dort viele Tage lang schlechtes Wetter herrscht.

Die alten Leute erinnern sich noch gut an die schlimme Geschichte vom Hansel und dem Gewitter.

Der Hansel lebte in einer Hütte am Fuße des Schlern. Eines Tages, als seine Frau gerade einen Kübel Wasser vom Brunnen holte, hörte sie ein eigenartiges Zischen. Komisch, denn es wehte überhaupt kein Lüftchen und trotzdem begann sich durch dieses Zischen ein gewaltiges Unwetter zusammenzuziehen. Die Bäuerin schaute zum Himmel und bemerkte zwischen den schwarzen Gewitterwolken einen Schatten.
"Hansel, Haaansel!", rief die Frau, "komm schnell und schau dort hinauf."
Der Hansel eilte sofort zum Fenster und schaute zu den Wolken: "Um Gottes willen, das ist ja die Schlernhexe! Warte nur ab, dir werde ich schon helfen!"
Augenblicklich ergriff er sein Gewehr, besprengte die Kugeln mit Weihwasser, sprang zur Tür hinaus, zielte genau und … bum, bum.
Da ertönte ein schreckliches Gekreische: Er hatte die Hexe getroffen und mit einem dumpfen "Plumps" fiel sie genau vor seine Füße nieder.
Mein Gott, wie war sie hässlich!
Der Anblick der Hexe war so grauenvoll, dass dem Bauer die Haare zu Berge standen und er gleich darauf leichenblass zu Boden fiel.
Viele Jahre vergingen, bis sich der Bauer wieder ganz von seinem Schrecken erholt hatte, vergessen jedoch konnte er die Geschehnisse jener Nacht sein ganzes Leben lang nicht mehr.
In der Tat verriegelte er seitdem bei jedem kleinsten Unwetter alle Fenster und Türen und wartete zähneklappernd, bis das Gewitter wieder abzog.

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